Freie Wähler Lam wollen alte Strukturen auflösen - miteinander statt gegeneinander reden. Wolfgang Bergmann stellte Ziele vor. Bei der Wahlinformationsveranstaltung der Freien Wähler am Freitagabend im Hotel „Zur Post“ war der Saal gut gefüllt. Versammlungsleiter Christian Billig hieß alle Interessierten willkommen. Als erster kam Landratskandidat Julian Preidl zu Wort, der den jungen Ortsverband der Freien Wähler in Lam gerne unterstütze und sich eingangs kurz vorstellte. Der Bad Kötztinger unterbreitete seine Ideen und ging bei einigen auch ins Detail, um zu demonstrieren, dass dies keine „Spaßkandidatur“ ist, sondern er ein handfestes Konzept hat, wie er den Landkreis vorwärts bringen möchte. Besonders der östliche Landkreis Cham schwächle bei der Digitalisierung. „Während anderswo von 5G geredet wird, fahren wir von Funkloch zu Funkloch“, kreidete der Bad Kötztinger an. Die Geschwindigkeit der Digitalisierung sei viel zu langsam und man werde in Deutschland und in Bayern von den Städten abgehängt. „Mein Studienstandort Bamberg bewirbt die Wirtschaft mit 1000 MB/sec. Hier steht vielen Haushalten nur 5 MB/sec. zur Verfügung“, verdeutlichte der 24-jährige das unglaubliche Stadt-/Landgefälle, das in Zukunft massiv lähme. Als junger Bürger mache ihn das besorgt, dass erst 2020 mit dem Ausbau des Glasfasernetzes angefangen werde. „Wir sind im östlichen Landkreis Cham nicht so ausgestattet, wie wir es verdient hätten. Wenn wir bei uns flächendeckend 5G wollten, müssten wir im Landkreis Cham noch 8000 Funkmasten aufstellen. Mit der gegenwärtigen Geschwindigkeit wird dies noch Ewigkeiten dauern“, so Preidl. Fotovoltaik, Wind- und Wasserkraft, Hackschnitzel, Pellets, Biogas, Wasserstoff sind viele Technologien, auf die man setzen müsse. Hier gebe es auch in Bayern Vorbilder. Der Landkreis Haßfurt schafft es, energieautark zu sein. Man sei im Landkreis Cham zwar auf einem guten Weg, aber Preidl`s langfristiges Ziel ist, die benötigte Energie wirklich selber herzustellen. Aktuelle Maschinen der Landwirtschaft versorgen den Boden mit Düngemitteln so, wie dieser es benötigt. Diese müssen jedoch mit dem Internet kommunizieren. Genauso verhält es sich mit dem autonomen Fahren. Im Tourismus steckt sehr viel Potential in Lam. Die Geschäftskunden wünschen, Videokonferenzen mit Kunden aus aller Herren Länder zu halten. „Wenn die Internetverbindung nicht zustande kommt, ist es schlecht für die Hoteliers“, konstatierte der Landratskandidat. Zeitgleich müsse man die Jobs in der Hotelbranche besser bewerben, damit der Fachkräftemangel abnehme. Das Wirtschaftsinstitut in Köln bestätige, dass in IT, technologischen Branchen und in der Landwirtschaft ein Fachkräftemangel von über 80 Prozent herrsche. Im Gesundheitswesen seien es gar 94 Prozent. „Wir müssen zusehen, dass tschechische Fachkräfte bei uns auch als solche akzeptiert werden.“ Beim ÖPNV wurde von dem 1988 erstellten Regionalplan wenig umgesetzt. „Ein Zug, der heute von Cham nach Lam fährt, hat eine Maximalgeschwindigkeit von 50 km/h“, zeigte der 24-jährige ein Defizit auf. Man müsse den ÖPNV intelligent steuern, indem er zu Zeiten fährt, in denen er die Arbeitnehmer zu den großen Arbeitgebern befördert, damit sie vom Individualverkehr umsteigen können. CNG-Mobilität (Erdgas) koste nicht mehr als der herkömmliche Diesel- oder Benzinbetrieb. Deshalb gelte es, Busse darauf umzustellen. Auch Logistik-Firmen könnten auf diese Technologie wechseln. Der Landkreis Deggendorf mache dies schon seit Jahren vor. Bei den Krankenhäusern müsse man sich in regelmäßigen Abständen mit einer neuen Schließung beschäftigen. Preidl forderte ein zentrales Krankenhaus und bessere Notdienste. Als umsetzbaren Lösungsvorschlag für neuen Wohnraum für junge Familien nannte der 24jährige, als Vermittler zwischen den vielen Häusern, die nahezu leer stehen, und den Interessenten aufzutreten, vorausgesetzt sie seien freiwillig dazu bereit. „Das sind Flächen, die wir effizienter nutzen können.“ Man sollte versuchen, die Senioren zu bündeln. Zweifellos würden sie von Gemeinschaften profitieren. Deren Häuser würden dann für junge Familien frei. Auf diese Weise wirke man dem Flächenfraß entgegen. Für Senioren müssen die Tagespflegeplätze weiter ausgebaut und der ÖPNV barrierefrei gemacht werden. Die Probleme seien schon seit vielen Jahren bekannt. Preidl kämpfe nach eigenen Worten für das Ehrenamt, indem er bestimmte Dinge auch offenlege. Es könne nicht sein, dass das Gros der Freiwilligen dafür ein Brotzeit und einzelne eine Vergütung in fünfstelliger Höhe erhalten. Dies habe mit einer Neiddebatte nichts zu tun. Die Innovationsgeschwindigkeit in der Wirtschaft habe wahnsinnig zugenommen. Politik muss eine Antwort finden mit jemanden, der auch in dieser Zeit erwachsen geworden ist. Wolfgang Pilz gab einen Einblick in die Kreistagsarbeit. Die Dinge, die die Bevölkerung betreffen, dauern viel zu lange, kritisierte Pilz anhand der Regentalstraße. Wenn die Grundstückseigentümer höher entschädigt würden, wäre es leichter, Grundstücke zu erwerben. Es müssen Anstrengungen gemacht werden, dass das Osserbad in Lam auf den neuesten Stand gebracht wird. Es gebe genügend Möglichkeiten von Förderungen, wenn man sie nur angeht. Der Wirtschaftsminister habe auch die Bezuschussung zur Erneuerung der Gastronomie ins Leben gerufen. 30 Millionen für Bayern sind wenig, aber es werde mutmaßlich ein zweites und drittes Programm aufgelegt. Die Feriengäste fahren wieder im eigenen Land in Urlaub. Lam sei ein wunderschöner Fremdenverkehrsort. Die Freien Wähler in Lam treten an, um alte Strukturen aufzulösen. Oberste Maxime sei, miteinander und nicht gegeneinander zu reden. Listenführer Wolfgang Bergmann will sich nach seinen Worten kreativ und zuverlässig für die Heimat einsetzen, besonders für die jungen Familien. „Wir wollen mit allen Listen innovativ, konstruktiv, offen und transparent zusammenarbeiten“, so Bergmann. Die politische Landschaft sollte nach seiner Ansicht belebt und mehr Schwung hineingebracht werden. Bislang zimmerte sich die CSU mit ihrer Fraktionsgemeinschaft die absolute Mehrheit im Gemeinderat. Man könne kreativ Dialoge führen, ohne zu streiten. Im Anschluss an die letzte Kommunalwahl sollte eine Frau als 2. Bürgermeisterin aus den Reihen der UFB gewählt werden, die mit dem 1. Bürgermeister ein gutes Verhältnis pflegt. Damals wäre es fair gewesen, wenn Emmi Kollross als 2. Bürgermeisterin eine Chance erhalten hätte. Es gebe einige Probleme in Lam, gegen die die Freien Wähler vorgehen möchten. Die Einwohnerzahl in Lam gehe massiv zurück. „Von 1987 bis 2018 haben wir 528 Einwohner verloren“, bezifferte Bergmann. Zudem gebe es in Lam eine Überalterung: 26 % der Einwohner seien über 65 Jahre alt. „Wenn wir uns nicht anstrengen, junge Leute nach Lam zu bringen, kommen wir zu einem Punkt wie Bayerisch Eisenstein“, ist der Listenführer überzeugt. Auf den Nägeln brennen in Lam Infrastrukturprobleme, sehr viel Leerstand, und Abwanderung der jungen Leute. Die Gemeinde Drachelsried mache es vor, wie man junge Leute dorthin lockt und hält. Beispielsweise erhalten junge Familien bei einer Ansiedelung eine Förderung von 10.000 Euro von der Gemeinde. Momentan suchen eine Menge Leute in Lam aktiv nach Baugrundstücken. Um das Leben für die junge Generation attraktiver zu gestalten, wäre es angebracht, eine Lokalität für diese Altersschicht zu schaffen. Absolut notwendig wäre der Ruf- bzw. Discobus. Die Verkehrsanbindung mit der Regentalstraße sollte ausgebaut werden. Bergmann sprach sich dafür aus, eine Wirtschaftsförderung für grenznahe Räume ähnlich der Grenzlandhilfe früherer Jahre, neu zu starten. Hilfsorganisationen und Vereine gelte es, zu unterstützen. Ein Ziel wäre auch, dass man den Rettungswagen 24 Stunden vor Ort hätte. Die Feuerwehr sei qualifiziert, gut ausgebildet und werde bestens von der Gemeinde gefördert. Schade finde es Bergmann, dass Lam im Gegensatz zu Engelshütt keine Mädchen und Frauen in die Wehr aufnehme. Frauen haben Emotionsebenen, über die Männer nicht verfügen und können positiv auf ein Geschehen einwirken. Jugendtreff und Jugendrat wäre ein schöner Fortschritt. Vermisst wurde von Wolfgang Bergmann die Transparenz in der Gemeindepolitik. „In Lam werden Projekte als Erfolg verkauft, tatsächlich wird nur das notwendigste getan“, behauptete der Listenführer. Dementsprechend sehe es in Lam aus. Er plädierte dafür, möglichst viele Entscheidungen in den öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung zu legen und einen übersichtlichen Haushaltsplan zu veröffentlichen. Bei den Gemeindefinanzen gehen nach seinen Berechnungen 84 Prozent für die Verwaltung drauf, für Investitionen bleiben nur noch 16 % übrig. „Das gräbt uns etwas die Luft ab“, fand der Redner. Man spare bei klassischen Pflichtaufgaben der Gemeinde, nämlich der Sanierung und Instandhaltung von Gemeindestraßen, die er als nicht ausreichend empfand. Andere Gemeinde stecken in ihre Strecken dreimal soviel wie Lam. Man sollte sich auch bemühen, Gewerbebetriebe anzusiedeln. Die Freien Wähler unterstützen die Marktplatzsanierung ohne Anliegerbeteiligung. Zu prüfen wäre eine zentrale Wärmeversorgung aus erneuerbaren Energien. Als neue Angebote im Osserbad brachte Bergmann eine Nacht- oder 24-Stunden-Sauna ins Gespräch. Die 1995 gegründete Ökoregion Lam-Lohberg würde in der Gegenwart sicher viel Zustimmung ernten. „Wir haben in Lam gute Landwirte“, plädierte er für eine Rückkehr zur ökologischen Landwirtschaft, die sich gut vermarkten ließe. Er finde es traurig, dass viele Leute nicht auf die Liste der Freien Wähler gingen, weil sie persönlich negative Konsequenzen fürchteten. „In Lam werden schließlich politisch anders Denkende nicht verfolgt“, konnte Bergmann diese Angst nicht nachvollziehen. Matthias Seidl kam vor der Wahlaufklärung als Ehrenvorstand der FFW Engelshütt darauf zu sprechen, dass Engelshütt 1974 die erste Mädchengruppe hatte. „Wir sind glücklich darüber. Die FFW Engelshütt ist ein Musterbeispiel für gemischte Aktive“, so Seidl. In der Diskussionsrunde meldete sich Sylvia Raab zu Wort. Sie war bereits drei Jahre Markträtin und monierte die Einschränkung der persönlichen Neutralität durch die Zugehörigkeit zu einer Fraktion. Sie wollte nie in einen Topf geworfen werden. Man könnte mehr bewegen, wenn man zusammen arbeitet. Durch die Querelen werde viel zu viel Kraft vergeudet. Emmi Kollross schloss sich Sylvia Raab an. Es war bisher im Marktrat schwierig, zusammen zu arbeiten. Man möchte künftig auf gleicher Augenhöhe diskutieren. Dass sie vor sechs Jahren charakterlich nicht passend zum 1. Bürgermeister befunden wurde, war eine Rufschädigung. Ihr wäre es recht, wenn viele junge Leute in den Marktrat kämen. Sie freute sich wahnsinnig, dass Wolfgang Bergmann angepackt habe. Erwin Molzan erinnerte an den 26. Juli 2015 mit der Abstimmung über das geplante PSW am Osser. 78 Prozent der Lamer Bevölkerung war dies damals ein Anliegen. Sie haben mit 85 Prozent gegen das PSW gestimmt. Tatsache sei auch, dass es im Marktrat Leute gab, die bis zuletzt Befürworter des PSW waren. Molzan missfiel einige Wochen nach der Entscheidung folgender Aushang im CSU-Kasten: „Den Projektgegnern ist es leider gelungen, die berechtigten, nachvollziehbaren Sorgen der Bewohner zu instrumentalisieren.“ Das heißt, nach der Ansicht Molzans, die Gegner wurden so beeinflusst, dass sie selber nicht mehr denken konnten. „Ihnen wurde seinerzeit die Entscheidungsfähigkeit abgesprochen und jetzt wollen die Befürworter des PSW wieder ihre Stimmen“, fand Molzan als totalen Widerspruch.

21.02.2020
Wahlveranstaltung "Freie Wähler Lam" Kommunalwahl 2020

Wir wollen alte Strukturen auflösen - miteinander statt gegeneinander reden

Wolfgang Bergmann stellte Ziele vor.

Bei der Wahlinformationsveranstaltung der Freien Wähler am Freitagabend im Hotel „Zur Post“ war der Saal gut gefüllt. Versammlungsleiter Christian Billig hieß alle Interessierten willkommen. Als erster kam Landratskandidat Julian Preidl zu Wort, der den jungen Ortsverband der Freien Wähler in Lam gerne unterstütze und sich eingangs kurz vorstellte. Der Bad Kötztinger unterbreitete  seine Ideen und ging bei einigen auch ins Detail, um zu demonstrieren, dass dies keine  „Spaßkandidatur“  ist, sondern er ein handfestes Konzept hat, wie er den Landkreis vorwärts bringen möchte.  Besonders der östliche Landkreis Cham schwächle bei der Digitalisierung. „Während anderswo von 5G geredet wird, fahren wir von Funkloch zu Funkloch“, kreidete der Bad Kötztinger an. Die Geschwindigkeit der Digitalisierung sei viel zu langsam und man werde in Deutschland und  in Bayern von den Städten abgehängt. „Mein Studienstandort Bamberg bewirbt die Wirtschaft mit  1000 MB/sec. Hier  steht vielen Haushalten nur 5 MB/sec. zur Verfügung“, verdeutlichte der 24-jährige  das unglaubliche Stadt-/Landgefälle, das in Zukunft massiv lähme. Als junger Bürger mache ihn das besorgt, dass erst 2020   mit dem Ausbau des Glasfasernetzes angefangen werde. „Wir sind im östlichen Landkreis Cham nicht so ausgestattet, wie wir es verdient hätten. Wenn wir bei uns flächendeckend 5G wollten, müssten wir im Landkreis Cham noch 8000 Funkmasten aufstellen. Mit der gegenwärtigen Geschwindigkeit wird dies noch Ewigkeiten dauern“, so Preidl.  Fotovoltaik, Wind- und Wasserkraft, Hackschnitzel, Pellets, Biogas, Wasserstoff sind viele Technologien, auf die man setzen müsse. Hier gebe es auch in Bayern Vorbilder.  Der Landkreis Haßfurt schafft es, energieautark zu sein. Man sei  im Landkreis Cham zwar auf einem guten Weg, aber Preidl`s  langfristiges Ziel ist, die benötigte Energie wirklich selber herzustellen. Aktuelle Maschinen der Landwirtschaft versorgen den Boden mit Düngemitteln so, wie dieser es benötigt. Diese müssen jedoch mit dem Internet kommunizieren. Genauso verhält es sich mit dem autonomen Fahren. Im Tourismus steckt sehr viel Potential in Lam. Die  Geschäftskunden wünschen, Videokonferenzen mit Kunden aus aller Herren  Länder zu halten.  „Wenn die Internetverbindung nicht zustande kommt, ist es schlecht für die Hoteliers“, konstatierte der Landratskandidat.  Zeitgleich müsse man die Jobs in der Hotelbranche besser bewerben, damit der Fachkräftemangel abnehme. Das Wirtschaftsinstitut in Köln bestätige, dass in IT, technologischen Branchen und in der Landwirtschaft ein Fachkräftemangel von über 80 Prozent herrsche. Im Gesundheitswesen seien es gar 94 Prozent. „Wir müssen zusehen,  dass tschechische Fachkräfte bei uns auch als solche akzeptiert werden.“  Beim ÖPNV wurde von dem 1988 erstellten Regionalplan wenig umgesetzt. „Ein Zug, der heute von Cham nach Lam fährt, hat eine Maximalgeschwindigkeit von 50 km/h“, zeigte der 24-jährige ein Defizit auf. Man müsse den ÖPNV intelligent steuern, indem er zu Zeiten fährt, in denen er die Arbeitnehmer zu den großen Arbeitgebern befördert, damit sie vom Individualverkehr umsteigen können. CNG-Mobilität (Erdgas) koste nicht mehr als der herkömmliche Diesel- oder Benzinbetrieb. Deshalb gelte es, Busse darauf umzustellen. Auch Logistik-Firmen könnten  auf diese Technologie  wechseln. Der Landkreis Deggendorf mache dies schon seit Jahren vor.  
Bei den Krankenhäusern müsse man sich in regelmäßigen Abständen mit einer neuen Schließung beschäftigen. Preidl forderte ein zentrales  Krankenhaus und bessere Notdienste. Als umsetzbaren Lösungsvorschlag für neuen Wohnraum für junge Familien nannte der 24jährige, als Vermittler zwischen den vielen Häusern, die nahezu leer stehen, und den Interessenten aufzutreten, vorausgesetzt sie seien freiwillig dazu bereit. „Das sind Flächen, die wir effizienter nutzen können.“ Man sollte versuchen, die  Senioren zu bündeln. Zweifellos würden sie von Gemeinschaften profitieren. Deren Häuser würden dann  für junge Familien frei. Auf diese Weise  wirke man dem Flächenfraß entgegen.  Für Senioren müssen die Tagespflegeplätze weiter ausgebaut und der ÖPNV barrierefrei gemacht werden. Die Probleme seien schon seit vielen Jahren bekannt. Preidl kämpfe nach eigenen Worten für das Ehrenamt, indem er bestimmte Dinge auch offenlege. Es könne nicht sein, dass das Gros der Freiwilligen dafür ein Brotzeit und einzelne eine Vergütung in fünfstelliger Höhe erhalten. Dies habe mit einer Neiddebatte nichts zu tun. Die Innovationsgeschwindigkeit in der Wirtschaft habe wahnsinnig zugenommen. Politik muss eine Antwort finden mit jemanden, der auch in dieser Zeit erwachsen geworden ist.

 Wolfgang Pilz gab einen Einblick in die Kreistagsarbeit. Die Dinge, die die Bevölkerung betreffen, dauern viel zu lange, kritisierte Pilz anhand der Regentalstraße. Wenn die Grundstückseigentümer höher entschädigt würden, wäre es leichter,  Grundstücke zu erwerben. Es müssen Anstrengungen gemacht werden, dass das Osserbad in Lam auf den neuesten Stand gebracht wird. Es gebe genügend Möglichkeiten von Förderungen, wenn man sie nur angeht. Der Wirtschaftsminister habe auch die Bezuschussung zur Erneuerung der Gastronomie ins Leben gerufen. 30 Millionen für Bayern sind wenig, aber es werde mutmaßlich ein zweites und drittes Programm aufgelegt. Die Feriengäste fahren wieder im eigenen Land in Urlaub. Lam sei ein wunderschöner Fremdenverkehrsort. Die Freien Wähler in Lam treten an, um alte Strukturen aufzulösen. Oberste Maxime sei, miteinander und nicht gegeneinander zu reden.

 Listenführer Wolfgang Bergmann will sich nach seinen Worten kreativ und zuverlässig für die Heimat einsetzen, besonders für die jungen Familien. „Wir wollen mit allen Listen innovativ, konstruktiv, offen und transparent zusammenarbeiten“, so Bergmann. Die politische Landschaft sollte nach seiner Ansicht  belebt und mehr Schwung hineingebracht werden. Bislang zimmerte sich die CSU mit ihrer Fraktionsgemeinschaft die absolute Mehrheit im Gemeinderat. Man könne kreativ Dialoge führen, ohne zu streiten. Im Anschluss an die letzte Kommunalwahl sollte eine Frau als 2. Bürgermeisterin aus den Reihen der UFB gewählt werden, die mit dem 1. Bürgermeister ein gutes Verhältnis pflegt. Damals wäre es fair gewesen, wenn Emmi Kollross als  2. Bürgermeisterin eine Chance erhalten hätte.  Es gebe einige Probleme in Lam, gegen die die Freien Wähler vorgehen möchten. Die Einwohnerzahl in Lam gehe massiv zurück. „Von 1987 bis 2018 haben wir 528 Einwohner verloren“, bezifferte Bergmann. Zudem gebe es in Lam eine Überalterung: 26 % der Einwohner seien über 65 Jahre alt. „Wenn wir uns nicht anstrengen,  junge Leute nach Lam zu bringen, kommen wir zu einem Punkt wie Bayerisch Eisenstein“, ist der Listenführer überzeugt. Auf den Nägeln brennen  in Lam Infrastrukturprobleme, sehr viel Leerstand, und Abwanderung der  jungen Leute. Die Gemeinde Drachelsried mache es vor, wie man junge Leute dorthin lockt und hält. Beispielsweise erhalten junge Familien bei einer Ansiedelung 
eine Förderung von 10.000 Euro von der Gemeinde. Momentan suchen eine Menge Leute in Lam aktiv nach Baugrundstücken.  Um das Leben für die junge Generation attraktiver zu gestalten, wäre es angebracht, eine Lokalität für diese Altersschicht zu schaffen. Absolut notwendig wäre der  Ruf- bzw.  Discobus. Die Verkehrsanbindung mit der Regentalstraße sollte ausgebaut werden. Bergmann sprach sich dafür aus,  eine Wirtschaftsförderung  für grenznahe Räume ähnlich der Grenzlandhilfe früherer Jahre, neu zu starten. Hilfsorganisationen und Vereine gelte es, zu unterstützen. Ein Ziel wäre auch, dass man den Rettungswagen 24 Stunden vor Ort  hätte. Die Feuerwehr sei qualifiziert, gut ausgebildet und werde bestens von der Gemeinde gefördert. Schade finde es Bergmann, dass Lam im Gegensatz zu Engelshütt keine Mädchen und Frauen in die Wehr aufnehme. Frauen haben Emotionsebenen, über die Männer nicht verfügen und können positiv auf ein Geschehen einwirken. Jugendtreff und Jugendrat wäre ein schöner Fortschritt. Vermisst wurde von Wolfgang Bergmann die Transparenz in der Gemeindepolitik. „In Lam werden Projekte als Erfolg verkauft, tatsächlich wird nur das notwendigste getan“, behauptete der Listenführer.  Dementsprechend sehe es in Lam aus. Er plädierte dafür, möglichst viele Entscheidungen in den öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung zu legen und einen übersichtlichen Haushaltsplan zu veröffentlichen.  Bei den Gemeindefinanzen gehen nach seinen Berechnungen 84 Prozent für die Verwaltung drauf, für Investitionen bleiben nur noch 16 % übrig. „Das gräbt uns etwas die Luft ab“, fand der Redner. Man spare bei klassischen Pflichtaufgaben der Gemeinde, nämlich der Sanierung und Instandhaltung  von Gemeindestraßen, die er als nicht ausreichend empfand. Andere Gemeinde stecken in ihre Strecken dreimal soviel wie Lam.  Man sollte  sich auch bemühen, Gewerbebetriebe anzusiedeln. Die Freien Wähler unterstützen die Marktplatzsanierung ohne Anliegerbeteiligung. Zu prüfen wäre eine  zentrale Wärmeversorgung aus erneuerbaren Energien. Als neue Angebote im Osserbad brachte Bergmann eine  Nacht- oder  24-Stunden-Sauna ins Gespräch. Die 1995 gegründete  Ökoregion Lam-Lohberg würde in der Gegenwart sicher viel Zustimmung ernten. „Wir  haben in Lam gute Landwirte“, plädierte er für eine Rückkehr zur ökologischen Landwirtschaft, die sich gut vermarkten ließe. Er finde es traurig, dass viele Leute nicht auf die Liste der Freien Wähler gingen, weil sie persönlich negative Konsequenzen fürchteten. „In Lam werden schließlich politisch anders Denkende nicht verfolgt“, konnte Bergmann diese Angst nicht nachvollziehen.

Matthias Seidl kam vor der Wahlaufklärung  als Ehrenvorstand der FFW Engelshütt darauf zu sprechen, dass Engelshütt  1974 die erste Mädchengruppe hatte. „Wir sind glücklich darüber. Die FFW Engelshütt ist ein Musterbeispiel für gemischte Aktive“, so Seidl.

In der Diskussionsrunde meldete sich Sylvia  Raab zu Wort. Sie war bereits drei Jahre Markträtin und monierte die Einschränkung der persönlichen Neutralität durch die Zugehörigkeit zu einer Fraktion. Sie wollte nie in einen Topf geworfen werden.  Man könnte mehr bewegen, wenn man zusammen arbeitet. Durch die Querelen werde viel zu viel Kraft vergeudet.

 Emmi Kollross schloss sich Sylvia Raab an. Es war bisher im Marktrat schwierig, zusammen zu arbeiten. Man möchte  künftig auf gleicher Augenhöhe diskutieren. Dass sie vor sechs Jahren charakterlich nicht passend zum 1. Bürgermeister befunden wurde, war eine Rufschädigung. Ihr wäre es recht, wenn viele junge Leute in den Marktrat kämen. Sie freute sich wahnsinnig, dass Wolfgang Bergmann angepackt habe.  

Erwin Molzan erinnerte an den 26. Juli 2015 mit der Abstimmung über das geplante PSW am Osser. 78 Prozent der Lamer Bevölkerung war dies damals ein Anliegen. Sie haben mit 85 Prozent gegen das PSW gestimmt. Tatsache sei auch, dass es im Marktrat Leute gab, die bis zuletzt Befürworter des PSW waren. Molzan missfiel einige Wochen nach der Entscheidung folgender Aushang im CSU-Kasten: „Den Projektgegnern ist es leider gelungen, die berechtigten, nachvollziehbaren Sorgen der Bewohner zu instrumentalisieren.“  Das heißt,  nach der Ansicht Molzans,  die Gegner wurden so beeinflusst, dass sie selber nicht mehr denken konnten. „Ihnen wurde seinerzeit die Entscheidungsfähigkeit abgesprochen und jetzt  wollen die Befürworter des PSW wieder ihre Stimmen“, fand Molzan als totalen Widerspruch.